{"id":2444,"date":"2019-05-28T14:17:37","date_gmt":"2019-05-28T14:17:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zaldor.de\/?p=2444"},"modified":"2019-05-28T14:17:37","modified_gmt":"2019-05-28T14:17:37","slug":"geldexperiment-euro","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zaldor.de\/blog\/2019\/05\/28\/geldexperiment-euro\/","title":{"rendered":"Geldexperiment Euro"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Hofheim am Taunus, 28. Mai 2019 \u2013 W\u00fcrde man in einer willk\u00fcrlich gew\u00e4hlten Fu\u00dfg\u00e4ngerzone eine Umfrage zur Beliebtheit des Euro durchf\u00fchren, so w\u00fcrde das Ergebnis f\u00fcr unsere Gemeinschaftsw\u00e4hrung vermutlich gar nicht so schlecht ausfallen. Denn seine Scheine sind sch\u00f6n bunt, er erm\u00f6glicht uns die wechselfreie Zahlung in Italien, Spanien und anderen beliebten Urlaubsregionen und schlie\u00dflich sind unsere Politiker der Auffassung, dass er auch dem Frieden in Europa dient. Doch wenn man sich intensiver oder gar von Berufswegen mit dem Euro besch\u00e4ftigt, dann wird man feststellen m\u00fcssen, dass diese W\u00e4hrung seine T\u00fccken hat und von einem \u201eguten Geld\u201c ganz weit entfernt ist.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.zaldor.de\/wp-content\/uploads\/Forscher-in-Labor-z\u00e4hlt-Geld-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2446\" width=\"600\" height=\"288\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Was ist eigentlich gutes Geld?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bevor wir auf den Euro zu sprechen kommen, sollten wir zu Beginn einmal kl\u00e4ren, wie man \u201egutes Geld\u201c erkennen kann. Gutes Geld ist einfach erkl\u00e4rt. Das ist zugleich sein erstes Erkennungszeichen. Gutes Geld entsteht quasi evolution\u00e4r aus dem Handeln der Menschen frei heraus. Die Menschen wollen tauschen, doch nicht immer sofort oder Dinge mit gleichem Wert. Diese Bed\u00fcrfnisse befriedigt das Geld. Seine Eignung erf\u00e4hrt es aus der Tauschmittelfunktion (z.B. feine St\u00fcckelung oder Transportf\u00e4higkeit) und der Wertaufbewahrungsfunktion (z.B. Haltbarkeit, Werthaltigkeit). In den verschiedensten Kulturen haben sich Gold und Silber im Wettbewerb der Waren gegen andere Sachen durchgesetzt. Geld war also eine angesehene Ware, die Wohlstand und (Wahl-)Freiheit spendete. Doch jede Einheit dieses Warengeldes musste verdient werden. Kredit konnte auch nur derjenige geben, der sich das zuvor verdient hatte. Geld war in gewisser Weise knapp und hatte daher auch seinen Preis \u2013 \u201eZins\u201c genannt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Weiterentwicklung des Geldes war der Geldschein. Er\nlieferte dem Geldbesitzer den Komfort, seine Gold- und Silberm\u00fcnzvorr\u00e4te bei\neiner Bank sicher zu deponieren. Als Beleg seiner Depositen wurde eine Banknote\nmit dem entsprechenden Gegenwert von der Bank ausgestellt. Der Geldschein\nverbriefte also ein Recht auf einen ganz konkreten realen Gegenwert. In dieser\ngewisserma\u00dfen reinen Form des Geldes waren die Eigentumsrechte und somit die\nFreiheitsrechte des Sparers maximal ausgepr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weil es f\u00fcr das Geld-Verst\u00e4ndnis so wichtig ist, fassen wir\nnoch einmal kurz zusammen. Gutes Geld entstand auf nat\u00fcrlichem Wege evolution\u00e4r\naus dem menschlichen Handeln heraus. Es ist \u00fcberaus wettbewerbsf\u00e4hig und\nbraucht kein staatliches Zahlungsmittel-Monopol. Es ist eine unverderbliche Ware,\ndie seinem Inhaber die Fr\u00fcchte eigener Arbeit bzw. erlangtes Eigentum sichert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Historische\nGeld-Experimente<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Geldgeschichte zeigt jedoch zahllose Beispiele, bei\ndenen diese Eigentumsrechte durch den Souver\u00e4n verletzt wurden. In der Regel\nwaren es die hohen Kosten der Kriege, die zu Finanzierungsnotst\u00e4nden und im\nErgebnis zur Falschm\u00fcnzerei f\u00fchrten. Die M\u00fcnzen wurden eingesammelt, eingeschmolzen\nund mit geringerem Edelmetallgehalt wieder ausgegeben. So konnte man die\nGeldmenge signifikant erh\u00f6hen, was auf Kosten des inneren Werts ging. Dar\u00fcber\nhinaus f\u00fchrte das bei Wiederanspringen der Wirtschaft in der Folge zu starker Teuerung.\nSo zahlten stets die B\u00fcrger mit Verz\u00f6gerung die Kriegskosten, indem sie weniger\nMetall in der Tasche hatten und sich noch dazu daf\u00fcr weniger kaufen konnten.\nSelbst f\u00fcr ihre B\u00fcrgern\u00e4he hochgesch\u00e4tzte Landesherren wie Friedrich der Gro\u00dfe\nbedienten sich dieser Methode, um in der Not wieder liquide zu sein. Nicht\nselten ergab sich aus der Geldmengenausweitung durch Falschm\u00fcnzerei ein\nwirtschaftlicher Boom, verbunden mit expansiver Kreditvergabe. Hatten die\nausl\u00e4ndischen Kreditgeber die F\u00e4lschung erst entdeckt und bestanden auf\nKreditr\u00fcckzahlung in echter, reiner M\u00fcnze, kam es zu spektakul\u00e4ren Bankrotten.\nSo erging es selbst erfolgreichen Unternehmern wie Johann Ernst Gotzkowsky in\nder Dynastie Friedrich des Gro\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einen noch gr\u00f6\u00dferen Spielraum f\u00fcr derartige wertzehrende\nGeldverschlechterungen bot das Papiergeld. Es lie\u00df sich mit deutlich geringerem\nAufwand neues Geld erschaffen. Aus China stammen sowohl die ersten\nAufzeichnungen zum Papiergeld, als auch zu seinem sch\u00e4dlichen Umgang als\nNotgeld zur Kriegsfinanzierung um das Jahr 1024 n. Chr. Da die Kaiser diesem\n\u201eGift\u201c regelm\u00e4\u00dfig nicht widerstehen konnten und ungeheure Mengen des\nPapiergeldes ohne irgendeine Deckung herausgaben, kam es ebenso regelm\u00e4\u00dfig zu\nhoher Inflation. Aus diesen Erfahrungen heraus wurde das Papiergeld um 1400\nn.Chr. dort wieder abgeschafft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Studium der Geldgeschichte offenbart \u00fcber die\nunterschiedlichen Kulturen und Epochen hinweg eine lange Serie dieser Versuche,\nWohlstand k\u00fcnstlich und beschleunigt zu erzeugen. Doch auf den Boom folgte\nstets die Pleite, unabh\u00e4ngig der Machart der Geld-Trickserei. Diese Geld-Experimente\nhatten ausnahmslos fatale Folgen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das st\u00e4rkste Korrektiv f\u00fcr diese, im wahrsten Sinne des\nWortes, \u201eGeldmacherei\u201c bot stets der Wettbewerb zu den Auslandsw\u00e4hrungen im\nRahmen des Au\u00dfenhandels. Doch innerhalb des eigenen W\u00e4hrungsraums konnten die Herrscher\nals Monopolist des Geldes und des Rechts zun\u00e4chst eine Weile ihr Unwesen\ntreiben, ohne vom Markt bzw. den B\u00fcrgern sanktioniert werden zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Soviel zum historischen Exkurs. Nachdem die Wahrnehmung nun\ngesch\u00e4rft sein sollte, was Geld eigentlich ist, wie es auf das private Eigentum\nwirkt und welche Sch\u00e4den aus dem Missachten eines echten Warengeldes immer und\nausnahmslos entstehen, widmen wir uns unserem neuzeitlichen Status quo.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Das\nNotenbank-Geld-Experiment<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Schnellverfahren zu den Entwicklungen der letzten 100\nJahre: 1913 kam es zur Gr\u00fcndung des Federal Reserve Systems, der\nUS-amerikanischen Notenbank. Allein seine politische Entstehungsgeschichte\nwirft ein Schlaglicht auf sein Wesen und ist eine ausdr\u00fcckliche Leseempfehlung\nwert! <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einen echten Goldstandard gab es entgegen mancher\nDarstellung schon damals nicht. Lediglich auf Ebene der Notenbank-Bilanz\nexistierte eine Art \u201eTeil-Goldstandard\u201c. 1929 kam es zum gro\u00dfen Crash und in\nden Folgejahren zu zahlreichen Pleiten und der gro\u00dfen Depression. Die Ursachen\nkennen Sie bereits. Sie waren identisch mit denen voriger Geldexzesse:\nungez\u00fcgelte Geldmengenausweitung in Verbindung mit starkem Kreditwachstum. Der\nNotenbank waren die H\u00e4nde gebunden. Um neues Geld zu drucken, brauchte sie im\nRechtsrahmen des Teil-Goldstandards weiteres Gold \u2013 was sie nicht hatte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unter den Gelehrten setzte eine viele Jahre dauernde,\nkontroverse Diskussion ein. \u201eW\u00e4re es nicht endg\u00fcltig vern\u00fcnftiger und humaner,\nzu einem urspr\u00fcnglichen Warengeld zur\u00fcckzukehren?\u201c fragten die Vertreter der\nsog. \u00d6sterreichischen Schule der \u00d6konomie um Ludwig von Mises rhetorisch.\n\u201eNein!\u201c antwortete John Maynard Keynes. \u201eWir sollten uns vielmehr lossagen von\nden Z\u00fcgeln der Golddeckung, die unser Handeln bremsen.\u201c Da diese ungedeckte Geld-Methode\neine enorme politische Handlungsf\u00e4higkeit bedeutet, traf die Botschaft Keynes bei\nden damaligen Eliten und Politikern auf offene Ohren und pr\u00e4gte die weitere\nEntwicklung des Geldsystems. Im August des Jahres 1971 verk\u00fcndete US-Pr\u00e4sident\nNixon schlie\u00dflich das Ende des Bretton-Woods-Systems. Es war ein System, das\nweiterhin einen Teil-Goldstandard beinhaltete. Durch feste Wechselkursbindungen\nhatte es auch deckende Wirkung f\u00fcr andere W\u00e4hrungen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ab diesem Zeitpunkt begann die fortw\u00e4hrende Geld-Epoche. Seitdem ist Geld ohne jegliche reale Deckung und nichts mehr wert au\u00dfer das staatliche Versprechen eines gesetzlichen Zahlungsmittels. Die neue Geldordnung erm\u00f6glichte ein ungez\u00fcgeltes Wachstum der Geldmenge. Die unten zu sehende Geldmengenentwicklung der Weltleitw\u00e4hrung US-Dollar von 1960 bis heute macht das anschaulich. Die Analyse der Geldmenge anderer gewichtiger W\u00e4hrungen offenbart die gleichen sehr expansiven Entwicklungen. Der Lerneffekt aus der Historie ist doch zumindest als sehr zweifelhaft zu beurteilen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.zaldor.de\/wp-content\/uploads\/fredgraph-1024x618.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2445\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die n\u00e4chsten Geld- bzw. Kreditkrisen folgten. Die letzte\nKrise dieser Art ereignete sich in Form der US-Immobilienkreditkrise im Jahr\n2008. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unter einem (Teil-)Goldstandard h\u00e4tten wir in diesem\nGeldsystem bei dieser globalen Verschuldungsgeschwindigkeit sp\u00e4testens in den\nFolgejahren nach 2008 wieder eine schwere Depression erlebt \u2013 insofern hat\nKeynes sicher Recht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch das wahre Problem ist keineswegs irgendein\nGoldstandard, der im Sinne der privaten Eigentumsrechte einen realen Gegenwert\nf\u00fcr eine neue Geldeinheit verlangt. Das wahre Problem ist das\nNotenbank-Geldsystem, mit dem wir wirtschaften und leben. Geld wird aus dem\nNichts bei den Notenbanken und Gesch\u00e4ftsbanken geschaffen. Als Gegenbuchung\nsteht nur der Kredit. So w\u00e4chst die Kreditmenge systemimmanent stetig an. Seit\nder letzten gro\u00dfen globalen Kreditkrise in 2008 haben sich die globalen\nSchuldenberge mehr als verdoppelt. Denn es wurde in gro\u00dfen Mengen neues Geld\nben\u00f6tigt, um die Pleiten der (systemrelevanten) schw\u00e4chelnden Schuldner zu\nvermeiden, was eine tiefe Depression zur Folge gehabt h\u00e4tte. Dieser\naufschiebende Prozess dauert fortw\u00e4hrend an und wird ganz sicher dazu f\u00fchren,\ndass gerade das \u201eNotenbank-Geld-Experiment\u201c uns zuk\u00fcnftig Wohlstand und\nFreiheit kosten wird. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ungewiss bleibt lediglich das konkrete Szenario, ob gro\u00dfe\nDepression oder sukzessive Sozialisierung der Schulden. Wahrscheinlicher\nerscheint mir die weiter fortschreitende Verallgemeinschaftung der Schulden\n(siehe Exkurs \u201eSchrittweise Schulden-Sozialisierung\u201c). <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Das Euro-Experiment<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seit dem Jahr 2010 befinden wir uns in der sogenannten \u201eEurokrise\u201c.\n<a>Laut Wikipedia bezeichnet man mit diesem Begriff \u201eeine\nvielschichtige <\/a><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Krise\">Krise<\/a> der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Europ%C3%A4ische_Wirtschafts-_und_W%C3%A4hrungsunion\">Europ\u00e4ischen W\u00e4hrungsunion<\/a>\u2026 Sie umfasst eine <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Staatsverschuldung\">Staatsschuldenkrise<\/a>,\neine <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bankenkrise\">Bankenkrise<\/a>\nund eine <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wirtschaftskrise\">Wirtschaftskrise<\/a>\u2026\u201c.\nIm Kern ist es jedoch tats\u00e4chlich eine Geldkrise. Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr\nliegen, wie oben ausgef\u00fchrt, in der W\u00e4hrungskonstruktion. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der wirtschaftlich sehr heterogenen Eurozone wiegen diese\nKonstruktionsfehler einer zentralistisch gesteuerten Monopolw\u00e4hrung durch die\nZentralbank besonders schwer. Denn sie zwingt zu einem unfreien Kollektivismus\nder Teilnehmerl\u00e4nder und unterbindet regionale oder nationale M\u00f6glichkeiten auf\nheimische wirtschaftliche Probleme individuell reagieren zu k\u00f6nnen. So ist die\nGeldpolitik der Zentralbank f\u00fcr Teile der Eurozone viel zu expansiv, w\u00e4hrend\nsie anderswo als zu restriktiv wahrgenommen wird. Hier ist der Leitzins viel zu\ntief und f\u00fchrt gegebenenfalls zu Preisblasen, dort kann er eine Krise\nvor\u00fcbergehend nicht l\u00f6sen. So f\u00fchrt diese Erscheinungsform des Kollektivismus\nauch beim Geld mit fortschreitender Dauer nur zu noch gr\u00f6\u00dferer wirtschaftlicher\nUngleichheit. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als besonders problematisch f\u00fcr den Euro erweist sich zudem\ndie seit den 1970er Jahren dominierende Geldtheorie des \u201eMonetarismus\u201c. Der\nMonetarismus lehnt die staatliche Neuverschuldung in Krisenzeiten a la Keynes\nab und bezweifelt, dass diese Investitionen per Saldo f\u00fcr einen Staat positive\nEffekte haben werden. Stattdessen sollen die Wirtschaftssubjekte \u00fcber die\nSteuerung des Zinses und der Geldmenge animiert werden zu investieren, um so in\nKrisenphasen einen wachstumsausl\u00f6senden Stimulus zu setzen. Diese theoretische \u00dcberzeugung\nhat u.a. zu den sogenannten \u201eMaastricht-Kriterien\u201c gef\u00fchrt und dominiert\nweiterhin die st\u00e4ndige Diskussion um den Sinn der staatlichen Neuverschuldung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Einhaltung der stabilit\u00e4tsf\u00f6rdernden\nMaastricht-Kriterien ist seit Jahren nur noch Geschichte, die europ\u00e4ischen\nBanken ringen auf inzwischen gef\u00e4hrliche Weise um ihre Existenz und der\nLeitzins ist seit 2014 bei Null Prozent. Der Euro scheint am Ende zu sein \u2013\nzumindest in seiner monetaristischen Ausgestaltung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ausblick f\u00fcr den Euro<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir befinden uns mit dem Euro in einem so nie dagewesenen\ngeldpolitischen Experiment. Eines ist gewiss: ein v\u00f6llig ungedecktes\nMonopolgeld in monetaristischer H\u00fclle kann auf Dauer nicht funktionieren. Doch\nwas uns noch bevor steht, ist nur mit erh\u00f6hter Unsicherheit zu prognostizieren.\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die wirtschaftliche Entwicklung und die zwingend\nerforderliche Rettung einiger gro\u00dfer Gesch\u00e4ftsbanken, wie der Deutschen Bank,\nwerden wom\u00f6glich zur entscheidenden Weichenstellung. Nur ein Szenario\nandauernder \u201eNicht-Rezession\u201c mit schwachem Wachstum \u00fcber viele Jahre, wie in\nJapan, wird ein Weiter-So beg\u00fcnstigen. Das impliziert eine Aufrechterhaltung\nder Null-Zinspolitik. Was wird dann aber aus den Banken, denen fortw\u00e4hrend ihre\nzentrale Ertragsquelle fehlt? Sanierungen auf Staatskosten werden auf Sicht\nunumg\u00e4nglich &#8211; ob mit oder ohne Bankenunion. Der betroffene Staat hat dann \u00fcber\nJahre, so gut es eben ging, austerit\u00e4r gewirtschaftet, um dann Schulden finanzierte\nBudgets ohne jegliche Returns on Investment in die Bankenrettung stecken zu\nm\u00fcssen. Sinn macht das keinen! Erst recht nicht, wenn mit dieser\nNeuverschuldung neue Zinsen verbunden w\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sp\u00e4testens nach dieser Ereigniskette m\u00fcsste die Frage gestellt\nwerden, welche Daseinsberechtigung die Zentralbank noch hat. Ein Staatsgeld,\ndas die Staaten dann f\u00fcr sich oder auch gemeinsam direkt herausgeben und mit\ndem sie dabei idealerweise eine Marge verdienen k\u00f6nnten, anstatt Zinsen zahlen\nzu m\u00fcssen, w\u00e4re die eindeutig sinnvollere L\u00f6sung. Die Staaten k\u00f6nnten wieder\neine Wirtschaftspolitik a la Keynes betreiben und parallel dazu sogar die\nSteuern erheblich senken. Denn Geld m\u00fcssten sie \u00fcber Steuern nicht mehr\neinnehmen, sie drucken es n\u00e4mlich dann einfach selbst. Dar\u00fcber hinaus br\u00e4uchte\nes auch keine neuen Schulden. Wir w\u00e4ren zur\u00fcck im mittelalterlichen Geldmodell,\nbei dem die Staatsautorit\u00e4t das alleinige M\u00fcnzrecht zur\u00fcck aus den H\u00e4nden der\nBanker h\u00e4tte. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ihre Daseinsberechtigung m\u00fcsste die Zentralbank in den\nn\u00e4chsten Jahren noch viel st\u00e4rker im Falle einer Rezession nachweisen. Es\nbliebe ihr nichts anderes \u00fcbrig, als \u00e4u\u00dferst unpopul\u00e4re Instrumente der Rettung\nin die Hand zu nehmen. Dazu w\u00fcrde wohl auch ein Negativzins von bis zu minus drei\nbis vier Prozent geh\u00f6ren. Bargeldzahlungen m\u00fcssten in gleicher H\u00f6he verteuert\nwerden, um diese Fluchtw\u00e4hrung gleich schlecht zu stellen.\nKapitalverkehrskontrollen w\u00e4ren m\u00f6glicherweise n\u00f6tig, um den Abfluss in\nFremdw\u00e4hrungen zu verhindern. Das w\u00e4ren dann aber wahrscheinlich auch die\nletzten verzweifelten Ma\u00dfnahmen, um den Euro monetaristischer Pr\u00e4gung am Leben\nzu erhalten. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer immer noch gr\u00f6\u00dfere Best\u00e4nde an Kontoguthaben mit sich\nf\u00fchrt, wird dann nicht mehr nur hinterr\u00fccks durch die Inflation einen Teil\nseines Verm\u00f6gens real verlieren, sondern er wird einen Negativzins,\nvergleichbar einer Steuer, vom Guthaben abgebucht bekommen. Als Gewinner wird\nsich dann nur jener Ideologe f\u00fchlen, der mit dieser Opfergabe einen positiven\ngesellschaftlichen Beitrag verbindet. Doch viele werden diesen Verm\u00f6gensverlust\ndann endlich auch als Freiheitsverlust registrieren. Eine neue Qualit\u00e4t im\nRahmen dieses andauernden Geldexperiments w\u00e4re erreicht. Auch wenn das\nBewusstsein der Massen \u00fcberaus beweglich ist, ist es doch recht fraglich, wie\nlange das durchsetzbar w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Theorie des Monetarismus w\u00e4re nicht l\u00e4nger\naufrechtzuerhalten. Auch in einer n\u00e4chsten Rezession fiele den Staaten\nwirtschaftspolitisch eine noch viel wichtigere Rolle zur Systemrettung zu.\n\u00dcberlegungen in Richtung eines Staatsgeldes zur Finanzierung dieser\numfangreichen Stimulus-Budgets w\u00e4ren nicht ganz so interessant, denn die\nStaaten w\u00fcrden in einem Umfeld negativer Zinsen und gegebenenfalls nur moderater\nRisikoaufschl\u00e4ge sogar Einnahmen auf ihre emittierten Staatsanleihen erzielen\nk\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Szenarien lie\u00dfen sich mit spekulativem Aufwand weiter\nverfeinert darstellen. Doch bereits mit dieser recht oberfl\u00e4chlichen\nVorausschau sollte klar sein, dass noch viel mehr Rettungsgeld in unserer\nWirtschaftssystem kommen wird. Und dieses Geld wird zumindest bei den guten,\nnachhaltigen Sachwerten auch zuk\u00fcnftig zu deutlicher Inflation bzw.\nPreissteigerung f\u00fchren. Jene, die diese Zusammenh\u00e4nge verstehen und sich zu\nNutze machen, k\u00f6nnen sich gegen die wohlstandszehrenden Folgen des Euro wirksam\nabsichern. Alle anderen werden ihren Wohlstand teilweise einb\u00fc\u00dfen oder sind\ngezwungen, sofern umsetzbar, ihn mit h\u00f6herem Arbeitseinsatz zu stabilisieren. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir m\u00fcssen uns viel des Konjunktivs behelfen, um n\u00fctzliche Schl\u00fcsse\naus der gegenw\u00e4rtig prek\u00e4ren Lage des Euro zu ziehen. Es ist und bleibt ein\nbislang einzigartiges Geldexperiment mit offenem und wahrscheinlich eher\nungutem Ausgang! Ausschlie\u00dfen kann man nur, dass wir eine R\u00fcckkehr zu dem\neingangs beschriebenen gedeckten, die Eigentums- und Freiheitsrechte\nsch\u00fctzenden, Warengeld erleben werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Exkurs: Schrittweise Schulden-Sozialisierung\n<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im ersten Schritt der Krisenbew\u00e4ltigung kam es nach 2008 im\nRahmen der Rettungspakete zur signifikanten Erh\u00f6hung der globalen\nStaatsverschuldung. Je tiefer die strukturellen wirtschaftlichen Probleme in\nden einzelnen Staaten, desto h\u00f6her sind die festzustellenden staatlichen\nVerschuldungsquoten. Das ist beispielsweise in der Eurozone sehr gut abzulesen.\nDie B\u00fcrger haften somit mit Ihren Steuern, bzw. Ihrer zuk\u00fcnftigen Arbeits- und\nLebenszeit, f\u00fcr die geldpolitischen Exzesse der Vergangenheit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Eurozone wurde auf der zweiten Stufe der\nL\u00f6sungstreppe die gegenseitige Haftung zwischen den Staaten installiert. Die\nNo-Bailout-Klausel fiel, diverse gemeinsame Rettungsbudgets (u.a. der\nEurop\u00e4ische Stabilit\u00e4tsmechanismus (ESM)) wurden konstruiert und die\nTarget2-Salden in den Notenbankbilanzen schwollen erheblich an. Diese\nHaftungsvehikel sind teilweise derart komplex und undurchsichtig wie die zugrundeliegende\nProblemw\u00e4hrung. Die allermeisten B\u00fcrger k\u00f6nnen so nicht erkennen, was hier auf\nihre Kosten tats\u00e4chlich passiert. Die anstehende europ\u00e4ische Bankenunion ist\nein weiterer zwingend erforderlicher Baustein, der diese zweite Stufe der\nSozialisierung komplettieren wird. Noch weiter w\u00fcrde eine europ\u00e4ische\nArbeitslosenversicherung gehen, wie es dem derzeitigen Bundesfinanzminister\nOlaf Scholz (SPD) vorschwebt. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Inzwischen haben wir l\u00e4ngst den n\u00e4chsten, dritten Schritt in\nder Schulden-Sozialisierung gesetzt. Der in enger Korrelation zum\nSchuldenwachstum bzw. der schw\u00e4cher gewordenen Bonit\u00e4t vieler gewichtiger\nSchuldner stehende Marktzins ist seit 2014 in der Region von Null Prozent\nangekommen. Der niedrige Zins ist die Voraussetzung daf\u00fcr, dass diese Schuldner\nan ihren Schulden bislang nicht zugrunde gehen. Doch f\u00fcr alle Sparer, ob\nPensionskassen, Versicherungsgesellschaften oder Privatmann und -frau bedeutet\ndas dank Inflation seit Jahren den realen Schwund des Geldverm\u00f6gens. Sie sind\ngezwungen in Risikoanlagen zu gehen, um ihr Erspartes real zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">An dieser Stelle m\u00fcssen wir noch auf die Privatbanken\neingehen. Sie sind die Achillesferse der Nullzinspolitik. Denn sie verlieren\ndadurch ihre Margen im Kreditgesch\u00e4ft, das etwa 80 Prozent ihrer Ertr\u00e4ge\nliefert. In den zur\u00fcckliegenden Jahren konnte diese Ertragsschw\u00e4che durch\nBilanzierungsspielr\u00e4ume kaschiert werden. Doch inzwischen ist l\u00e4ngst auch in\npolitischen Kreisen klar, dass auch die deutschen Gro\u00dfbanken ohne\nverstaatlichende Ma\u00dfnahmen den Systemcrash hervorrufen w\u00fcrden. Entsprechende\nMa\u00dfnahmen der Europ\u00e4ischen Zentralbank und der Bundesregierung sind l\u00e4ngst in\nder Mache und werden sehr viel Geld ben\u00f6tigen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die aktuelle wirtschaftliche Schw\u00e4chephase und die daraus\nerwachsende Furcht vor einer sich wom\u00f6glich Raum greifenden Rezession, n\u00e4hrt\nkonkrete Planungen zu Schritt vier der Euro-Schulden-Sozialisierung: negative\nLeitzinsen und Strafzinsen auf Bargeld. Im Fr\u00fchling letzten Jahres hatte ich\neinen Marktkommentar, der die viel zitierte Zinswende anzweifelte, geschlossen\nmit der Feststellung \u201eNegative Leitzinsen sind keine Fiktion!\u201c. Seitdem haben\nsowohl der Internationale W\u00e4hrungsfonds, die Europ\u00e4ische Zentralbank, als auch,\nwie aus gut informierter Quelle zu vernehmen ist, das Bundesfinanzministerium zu\ndieser Thematik Studien erstellt und Arbeitsgruppen gebildet. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sollte es zu diesen verzweifelten Euro-Rettungsaktionen\nkommen, sollte jedem B\u00fcrger klar werden, dass dieser Euro keinen Frieden oder\nFreiheit stiftet, sondern schrittweise enteignet und geradewegs in den\nSozialismus f\u00fchrt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hofheim am Taunus, 28. Mai 2019 \u2013 W\u00fcrde man in einer willk\u00fcrlich gew\u00e4hlten Fu\u00dfg\u00e4ngerzone eine Umfrage zur Beliebtheit des Euro durchf\u00fchren, so w\u00fcrde das Ergebnis f\u00fcr unsere Gemeinschaftsw\u00e4hrung vermutlich gar nicht so schlecht ausfallen. 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